Vor rund zweieinhalb Jahren fasste ich aus heiterem Himmel den Entschluss, dass ich Vegetarierin sein wollte. Ich hatte mit diesem Gedanken schon länger gespielt, und von einem Tag auf den anderen war es schließlich klar: Kein Fleisch mehr für mich! Nach anfänglicher Melancholie über den Verlust des vertrauten Essens, das mich so lange begleitet hatte, begann ich neues Lieblings-Essen zu entdecken. Panierte Melanzi. Vegetarische Lasagne. Pizza mit Spinat und Frischkäse. Ei-Mayonnaise.
Während ich die ersten, wackeligen Schritte als Vegetarierin tat, wusste ich aber auch irgendwie, dass das nicht das Ziel meiner Reise war. Ich entdeckte, dass auch irgendwas nicht richtig war am Konsum von Milch und Eier, ethischer als auch gesundheitlicher Natur. Ich begann Bücher zu studieren, die sich mit diesem Thema kritisch auseinander setzten – anfangs konnte ich kaum glauben, was da geschrieben stand. Auch ich hatte immer gedacht, dass uns Milch gut tat, dass es das „wertvollste aller Lebensmittel“ war. Und ich entdeckte, wie gut es für meine Gesundheit war, wenn ich diese Dinge nicht aß.
Trotzdem war der Verzicht auf Milch und Eier ein wesentlicher längerer Prozess als der Abschied vom Fleisch einer war. Vegan zu essen war klar außerhalb meiner „Comfort Zone“. Ich sah es als schräg an, extrem, und … na ja, einfach nicht genießbar. Die Einschränkungen waren zu groß. Die Veränderung zu gewaltig.
Den Wandel brachte dann die Anschaffung meines ersten veganen Kochbuchs (danke, Sarah Kramer!). Plötzlich konnte ich ganz einfach vegan kochen. Und es schmeckte! Und.. es gab sogar Kuchen!
Mittlerweile bin ich wesentlich sicherer geworden. Ich esse weder Fleisch, Milch oder Eier. Ich habe mich von alten Speisen verabschiedet und sie durch neue ersetzt. Ich lernte Lebensmittel zu lieben, die ich beim ersten Mal noch abscheulich fand (Hallo, Soja-Milch). Ich begegnete neuem Essen aus fernen Ländern. Ich fand ein Restaurant, das vegane Gerichte für mich zubereitet.
Doch vor allem lernte ich für mich selbst zu kochen. Wenn man vegan lebt, kann man nicht ins Geschäft gehen und Kuchen kaufen (außer man hat sehr viel Glück). In den meisten Restaurants möchte ich den Großteil der Speisen nicht essen, aber gut anhören tut es sich prinzipiell schon. Dann gehe ich nach Hause und koche selbst. Ich experimentiere, ersetze, entdecke. Wenn ich früher Pizza essen wollte, dann kaufte ich mir eine tiefgekühlte. Wenn ich heute Pizza möchte, dann freue ich mich auf das Gefühl des weichen Teiges unter meinen Fingern. Auf meinen Freund, der die Pizza in akribischer Genauigkeit selbst belegt (Artischocken, Zwiebel, Paprika, Mais). Auf den Triumph, wenn man schließlich hineinbeisst, und feststellt: Mmmh. Das schmeckt. Meine Beziehung zum Essen ist unmittelbarer. Mein Küchenschrank voll mit richtigen Zutaten. Ich habe mich emanzipiert von einer Industrie, die uns Dinge verkaufen will, die wir so einfach daheim herstellen können. Wenn ich gewisse Speisen nicht essen möchte, dann macht mich das nicht traurig. Es beflügelt mich und meine Kreativität.
Ich liebe Essen. Ich liebe es zu kochen. Ich füttere andere gerne mit meinen veganen Kreationen. Willkommen auf meinem Blog, der all das dokumentieren soll.