Minggu, 13 Mei 2012

Vegane Gedanken zum Muttertag

Muttertag. Ein Anlass, um unsere Mütter hochleben zu lassen. Mit lieben Worten, Umarmungen, Blumensträußen. Während wir unseren Müttern danken, sie herzen und ihnen Gedichte aufsagen, verschwenden wir ungern einen Gedanken daran, dass für die Pralinen ein Kind von seiner Mutter getrennt wurde, damit wir die Milch benutzen können. Oder dass hinter dem liebevoll zubereiteten Frühstücksei eine Produktion steht, das junge, flaumige Küken als Abfall betrachet. Oder dass im schicken Restaurant Mütter auf unseren Tellern liegen. Während unseren Müttern ein Ehrentag eingeräumt wird, stützt sich unbeachtet ein ganzes System auf die Ausnutzung anderer Mütter.

Es sind die Kuhmütter, die ihre Kälbchen gleich am ersten Tag aufgeben müssen, damit wir die Milch trinken können, die eigentlich für ihre Jungen gedacht ist. Das Kälbchen sehen sie nie wieder; ist es weiblich, wird es eines Tages auch zur Milchkuh gemacht und muss wie seine Mutter auch Kind um Kind um Kind verschwinden sehen; ist es männlich, wird es gleich geschlachtet, um als Kalbfleisch das Muttertagsmenü zu veredeln. Am Ende ihrer Produktivität wird die Kuh selbst geschlachtet.
Es sind die Hühnermütter, deren männliche Küken gleich nach dem Schlüpfen in den Tod geschickt werden – dieser Nachwuchs legt keine Eier, und hat daher für die Ei-Industrie keine Bedeutung. Kann eine Henne keine Eier mehr legen, wird sie selbst geschlachtet.
Es sind die Schweinemütter, deren einzige Aufgabe darin besteht, rosige Ferkel in die Welt zu setzen, pardon, Fleischeinheiten oder Schnitzel, die noch als Kinder sterben werden. Wenn eine Sau keine Ferkel mehr wirft, wird sie selbst geschlachtet.

Mütter sind zentral für die Tierproduktion, weil sie Milch geben, Eier legen, neues Leben erschaffen. Dann werden diese Eigenschaften auf den Kopf gestellt: Die Milch ist nun nicht mehr für den Nachwuchs. Das neue Leben wird zum schnellen Sterben verurteilt.

Gleichzeitig gelten viele Verhaltensweisen von Tieren als Symbole für Mutterliebe: Eine gluckenhafte Mutter lässt den Nachwuchs nicht aus den Augen, so wie es eine Henne mit ihren Küken tut. Nimmt man jemanden unter seine Fittiche, erinnert dieser Ausspruch an die Verhaltensweise der Vögelmütter. Kämpft jemand wie eine Löwin, wird mit Ehrfurcht daran gedacht, wie eine Mutter ihr Kind verteidigt.

Tiere, so hört man es gelegentlich, hätten ein anderes Konzept von Mütterlichkeit und Familie, es sei mit unserem rein gar nicht zu vergleichen. Es ist reiner Instinkt, fast reflexartig, und jede andere Interpretation ist übertriebene Sentimentalität und Gefühlsduselei und ohnehin nur für Weicheier. Viele Veganerinnen und Veganer entscheiden sich aber bewusst für diese Gefühlsduselei. Ich bin lieber gefühlsduselig, als Kinder von Müttern wegzusperren. Ich bin lieber sentimental, als Mütter als Produktionseinheiten zu betrachten. Ich gelte lieber als Weichei, als die Augen vor der Realität zu verschließen: Nur, weil ich andere Familien oder Mütter vielleicht nicht verstehe, gibt es mir nicht das Recht, sie zu essen.


Einen frohen Muttertag wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.