Eine meiner besten Freundinnen verlobte sich Ende des letzten Jahres, und nach dem lustigen Polter-Abend ging vergangenes Wochenende schließlich die Hochzeit über die Bühne. Nach einem E-Mail und einem kurzen Gespräch mit dem Küchenchef wurde ich auf die veganen Optionen am Buffet hingewiesen, die sich zwar auf Beilagen beschränkten, aber trotzdem gut schmeckten und vor allem die sehr notwendige Unterlage für alle Toasts auf das Brautpaar gaben.
Der Klassiker: Gemischter Salat (im Hintergrund ein Foto von mir und M!)
Polenta-Strudel, Basmati-Reis und Gemüse
Das Highlight: Birnensorbet mit Fruchtsalat
Veganismus ist übrigens ein wunderbares Tisch-Gespräch. Ich hatte eine sehr interessante Diskussion mit meinen Tisch-Nachbar, der ein gänzliches anderes Bild von VeganerInnen hatte und ehrlich erstaunt war, dass wir viel normaler sind, als er das angenommen hatte. Wer meinen Blog regelmäßig liest, der weiß, dass ich als Veganerin immer super-freundlich, charmant und bemüht auftrete - zumindest ist das mein erklärtes Ziel. Natürlich könnte ich die Augen verdrehen, wenn jemand fragt, ob Veganismus nicht schwierig ist, oder auffällig seufzen, wenn sich jemand wundert, warum ich auf Eier verzichte, oder leise "Fleisch ist Mord" murmeln, wenn jemand wissen möchte, warum ich vegan lebe. Eigentlich wäre das ziemlich einfach - immerhin wären die Gespräche dadurch auch sehr kurz, und man wird endlich wieder in Ruhe gelassen. Aber so ist das eben im Leben - einfach ist nicht immer richtig, bequem ist nicht immer gut.
Darum setze ich mein bestes Zahnpasta-Lächeln auf und beantworte jede Frage geduldig und respektvoll, auch wenn ich mittlerweile zum 347. Mal erklärt habe, dass man auch ohne Fleisch den Eiweiß-Bedarf decken kann. Ich tue das, weil es für den anderen vielleicht tatsächlich das erste Mal ist, dass Veganismus überhaupt in sein Bewusstsein kommt; sich der andere zum ersten Mal fragt, warum Kühe nicht für uns Milch geben; er sich zum ersten Mal wundert, wie eine vegane Ernährung aussehen könnte. Natürlich ist das anstrengend, natürlich ist es umständlich, und manchmal ist es auch so eigenartig, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Aber ich behalte immer eines im Hinterkopf: Ich spreche nicht für mich. Ich spreche für das positive Bild des Veganismus. Ich spreche für eine sich verändernde Einstellung zu einer pflanzlichen Ernährung Ich spreche für alle Lebewesen, die darauf angewiesen sind, dass jemand ruhig und ehrlich die Wahrheit erzählt.
Und nein, ich rede mir nicht ein, dass jeder durch ein einzelnes Gespräch mit mir plötzlich vegan wird. Aber es geht um die Etappensiege. Es geht darum, einen Denkprozess anzustoßen. Darum, Veganismus ins Bewusstsein zu rufen. Und es geht darum zu zeigen, dass VeganerInnen auch ganz normale Menschen sind, die auf Hochzeiten gehen, dort etwas zu essen finden und dabei auch noch ziemlich vergnügt sind.
Die Eure links und die strahlende Braut rechts - alles Gute!