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Minggu, 20 Januari 2013

Besuch auf Gut Aiderbichl

Wer am Heiligen Abend auch nur annähernd in Betracht zieht, den Fernseher einzuschalten, dem ist "Weihnachten auf Gut Aiderbichl" vermutlich ein Begriff - eine kitschig-sülzige Sendung mit einer Menge Tierbabies, großen Kulleraugen, feuchten Hundenasen und noch mehr volkstümlichen Berühmtheiten. Mäh.

  Mini-Pferd und Pferd

  Am Hof

 
 Winterwunderland

Gut Aiderbichl Henndorf, ein großer Gnadenhof für gerettete Tiere, liegt praktisch ums Eck. Und trotzdem war ich in meiner veganen Karriere noch nie dort. Das hatte bisher auch einen Grund - vor einigen Jahren habe ich Gut Aiderbichl schon einmal besucht. Als Fleischesserin. Und während ich Ziegen den Bauch kraulte, Kühe respektvoll aus der Ferne beobachtete und Schweine streichelte, wurden neben mir am Weihnachtsmarkt Bratwürste verkauft - und ich meine nicht die aus Seitan. Selbst als Fleischesserin kam mir das eigenartig vor, und die Tierliebe seltsam beschränkt auf das, was sich vor unserer Nase als möglichst kuschelig präsentiert - das war für mich weder glaubwürdig noch ernstzunehmend (Natürlich waren mir diese unbehaglichen Gefühlen keine Lektion, und es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich zur Vegetarierin wurde - ich war unbelehrbar.)

 Kuh-Spielplatz

 Streicheleinheiten für die zutrauliche Ziege

 Baby-Ziegen testen ihre Hörnchen aus

Als Veganerin blieben die Eindrücke von Gut Aiderbichl, und das tote Fleisch neben den lebendigen Attraktionen wurde für mich noch unverzeihlicher. Schließlich erfuhr ich aber, dass man auf Gut Aiderbichl doch Einsicht gefunden hatte, und auf eine rein vegetarische Küche umgestellt hatte. Da ich doch eine vielbeschäftige Person bin (immerhin verschlingt Kuchen essen einen Großteil meiner Zeit), schafften M und ich erst vor kurzem einen Ausflug nach Aiderbichl zu unternehmen  - Kinder, wie die Zeit vergeht.

Einem Züchter, der mit seinem Jagd-Produkt Mitleid hatte, verdankt dieser Hirsch sein Leben.

Das Fohlen dieser Stute ist blind - die Züchterin verkaufte beide an Gut Aiderbichl und nicht an den Metzger.

Garfield kam vom Zirkus nach Aiderbichl - und zeigte seine "artgerechten" Tricks nie wieder vor.

Ich wusste dort nicht recht, was ich erwarten sollte. Ich schwor mir, am Absatz umzudrehen, falls mir irgendjemand eine Bratwurst anbieten sollte. Oder Tiere wie Zirkusattraktionen vorgeführt würden. Oder ich mich wie im Zoo fühlen würde, mit angestarrten Kreaturen, die dort nicht hingehören. Was mich auf Aiderbichl empfing, war aber ganz anders: Sensible Information, die über Massentierhaltung aufklärt - und auch die Milchproduktion nicht beschönigt. Ausstellungsstücke, die belegen, wie grausam Tierfabriken mit ihren Insassen umgehen. Freilaufende Esel, die einen Narren an M gefressen haben. Ziegen, die gerne eine Streicheleinheit in Anspruch nehmen. Schweine, die so selig im Heu schlafen, dass man sich selbst gleich dazulegen möchte. Ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier. Ein phänomenales Soja-Schnitzel. Und Mitarbeiter, die mit mir ein Pläuschen über ihr leidenschaftliches vegetarisches Dasein hielten.

 Die wohl riesigste Werbung für Soja-Schnitzel.

Yum.

Das ist die Realität von konventionellem Schnitzel.


Tatsächlich hat Gut Aiderbichl auf die Einwände reagiert, und bietet nun rein vegetarische und vegane Gerichte an. Als wir zu Besuch waren, gab es etwa vier bis fünf als vegan ausgewiesene Speisen, und der freundliche Koch hätte uns wohl auch noch mehr zubereitet. Aber ganz ehrlich: Das Soja-Schnitzel ist die Reise wert - ganz so, wie es sich gehört. 

 Eine "ausgediente" Milchkuh, die sich trotzdem ihres Lebens erfreut.

 Die Eselchen ziehen in Ruhe vorbei.

Schweine wissen, wie man richtig relaxed.

Natürlich hätte ich noch einige Verbesserungsvorschläge für Gut Aiderbichl. Etwa eine rein vegane Küche, die noch konsistenter mit den Grundsätzen wäre. Oder, etwas weniger ernstgemeint: Keine super-hässlichen Geschenke im Shop und bitte auch keine Volksmusik-Stars. Aber die Tatsache, dass sie Veränderung angenommen haben, ist für mich ein gutes Zeichen - da geht sicher noch mehr. Bis dahin ist mit einer Touristen-Attraktion, die auch Omi und Opi kennen, und die mit dem Finger auf Massentierhaltung zeigt, auch schon ein echtes Stück geschafft. Und die zahllosen geretteten Tiere erzählen ihre ganz eigenen Geschichten von einer grausamen Industrie ohne Herz oder Verstand - Geschichten, die berühren, und die dort zum Angreifen nahe sind. Massentierhaltung, die durch jedes einzelne Tier auf Aiderbichl nun nicht mehr industrialisert und abstrakt ist, sondern ein Gesicht und Fell oder Federn hat. Und die einen hautnah erleben lässt, dass alle Tiere einfach nur leben möchten.

Minggu, 06 Januari 2013

Gedanken für 2013 - und veganes Trifle

Ich hoffe, dass alle gut in das Jahr 2013 gerutscht sind - wer nun als Neujahrsvorsatz den Sprung zum Veganismus geplant hat, dem kann ich meine "Warum vegan?"-Seite ans Herz legen: Hier findet ihr meine bisherigen Artikel zum Thema Veganismus, besonders beliebt sind Fragen zu sozialen Aspekten, zu günstiger veganer Ernährung, Tipps für den perfekten veganen Kuchen, veganes Essen in nicht-veganen Restaurants und Alternativen zu tierischen Produkten. Egal, ob ihr vorsichtig beginnen wollt oder den Umstieg mit voller Kraft voraus angeht - ich freue mich auf euch, und wir haben euch schon einen Platz an unserem reich gedeckten veganem Tisch freigehalten.
Die Hopi-Indianer sagen: "Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben". Jedes Mal, wenn wir meinen, irgendwer müsste doch etwas dagegen machen, irgendeiner sollte das anpacken, irgendjemand würde doch was tun, könnte es dann sein, dass wir dieser jemand sind? Ich finde diese Vorstellung motivierend und beängstigend zugleich. Aber für unsere Sache - für jede Sache, die richtig und gut ist - brauchen wir Menschen, die über ihren eigenen Schatten springen und sich diesen Aufgaben stellen, auch wenn sie noch nicht genau wissen, wie, oder ob sie dafür eigentlich geeignet sind. Wir brauchen die Mutigen, die mit viel Herz, die, die nicht länger wegsehen wollen, und die, die laut aussprechen, was keiner hören möchte. Natürlich sind wir Veganer und Veganerinnen keine Märtyrer, sondern leben einen wunderbaren Lebensstil, der an Mitgefühl, Respekt und, natürlich, Genuss ausgerichtet ist.


Genau für diesen Genuss gibt es ein Rezept - oder besser gesagt, eine Bauanleitung - für ein veganes Trifle, das ich am Weihnachtsabend serviert habe. Da die meisten Leute denken, dass man als vegan lebender Mensch süße Köstlichkeiten nur aus der Ferne anschmachten kann, ist dieses dekadente Schicht-Dessert ein perfektes Mittel, um diese Vorurteile aus der Welt zu räumen.
Ein Trifle besteht aus Schichten von Kuchen, süßer Creme und Früchten, die dann als saftige Verführung auf den Teller kommen - da ein Trifle einige Stunden ziehen muss, wird der Kuchen wunderbar weich und verbindet sich mit den Aromen der Creme und der Früchte. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Mein Rezept hier ist darum mehr als Inspiration gedacht. Im Sommer können die Dosen-Pfirsiche und die tiefgekühlten Beeren natürlich durch frische, sehr reife Produkte ersetzt werden.

Veganes Trifle

Ich habe das Trifle in einer großen Glasschüssel angerichtet (eine Salat-Schüssel), es ergibt etwa vier bis fünf Portionen. Für ein Foto habe ich noch ein Mini-Trifle hergestellt, die natürlich auch süß zum Anschauen sind.

Für den Kuchen

300 Gramm Mehl
120 Gramm Zucker
1 Packung Vanille-Zucker
1/2 TL Salz
3/4 EL Backpulver
1/4 TL Natron
120 ml Öl
220 ml Wasser
2 EL Zitronensaft

Eine 24 cm Springform am Boden mit Backpapier auslegen, und an den Seiten gut einfetten. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
Mehl, Zucker, Vanille-Zucker, Salz, Backpulver und Natron in einer großen Schüssel vermischen. Öl, Wasser und Zitronensaft hinzufügen und zu einem glatten Teig verrühren. In die Form füllen und etwa 25 bis 30 Minuten backen, oder bis ein Zahnstocher, in die Mitte des Kuchens gestochen, sauber wieder herauskommt. Den Kuchen komplett auskühlen lassen. Anschließend braucht man etwa die Hälfte des Kuchens (ihr werdet sicher etwas mit dem Rest anfangen können, oder ihr verdoppelt die restlichen Zutaten und bekommt doppelt so viel Trifle heraus). Die Hälfte des Kuchens horizontal halbieren - also in zwei gleich große Scheiben schneiden, und diese beiden Teile dann in mundgerechte Würfel schneiden - das muss nicht so genau sein.

Zum Zusammensetzen

etwa 300 Gramm Pfirsiche, aus der Dose, abgetropft
tiefgekühlte Beeren-Mischung, z.B. Himbeeren, Ribisel, Brombeeren
300 ml vegane Schlagsahne (z.B. eine Packung Soyatoo!)
etwa 8 EL veganer Vanille-Pudding, selbstgekocht oder gekauft (z.B. von Alpro)
1 große (Glas-)Schüssel, z.B. für Salat

Die Pfirsiche in feine Scheiben schneiden. Die vegane Schlagsahne aufschlagen, und den Pudding unterheben. In der Schüssel zuerst einige Kuchenwürfel verteilen - das wird die erste Kuchenschicht. Darauf einige Pfirsich-Scheiben verteilen, dann einige tiefgekühlte Beeren darüber streuen (ihr müsst sie nicht extra auftauen), dann mit der Schlagsahne bedecken. Dann geht es weiter mit Kuchen, dann wieder Pfirsiche, Beeren, Creme - nun kennt ihr denn Drill. Wiederholen, bis der Kuchen aufgebraucht ist, und abschließen mit einer Schicht Creme, auf der man dekorativ entweder Kakaopulver streuen kann oder Pfirsichspalten arrangiert. Dann das Trifle für einige Stunden kühl stellen, damit es gut durchziehen kann. Zum Servieren mit einem großen Löffel einzelne Portionen herausstechen - dabei darauf achten, dass alle Schichten erwischt werden.
Wenn ihr das Trifle in einzelnen Gläser anrichtet, sieht das beim Servieren natürlich schöner aus, aber ist auch etwas mehr Arbeit.

Minggu, 25 November 2012

Ist Veganismus schwierig?

In diesen Tagen treffe ich viele neue Arbeitskollegen, die nicht nur mich, sondern damit auch eine Veganerin zum ersten Mal kennenlernen. Und natürlich dürfen sie sich auch bald auf selbstgemachte, vegane Cupcakes freuen, um das Bild der salatmümmelnden Hippies, das Veganismus umgibt, etwas abzubauen. Aber abgesehen von potentiellen Törtchen-Rezepten, die zum Aufweichen von Vorurteilen geeignet sind, schwirrt in meinem Kopf vor allem eine Frage herum, mit der ich in letzter Zeit immer wieder konfrontiert werde: "Ist es nicht schwierig, vegan zu leben?" Und ganz ehrlich kann ich auf diese Frage keine eindeutige Antwort geben.

Auf der einen Seite gibt es mittlerweile eine unglaubliche Auswahl an pflanzlicher Milch, an veganen Aufstrichen, Fertigprodukten, veganen Eis-Sorten, die man sogar in ganz normalen Supermärkten kaufen kann. Im Bio-Markt kann man sich vor veganen Würsten, Aufschnitten oder aufschlagbarer veganer Sahne kaum retten. In veganen Online-Versänden kann man alles, aber auch wirklich alles kaufen, was das vegane Herz braucht (wie die weltbeste Salami) Es gibt eine Vielzahl an wunderbaren veganen Kochbüchern, eine Unmenge an Blogs, und in der Küche lernt man so, dass alles, von Fastfood bis hin zu Haute Cuisine, auch vegan gekocht werden kann. "Vegan" ist mittlerweile ein Wort, das immer mehr Menschen kennen, das auch stolz auf Verpackungen gedruckt wird. Wir sind weit gekommen von verstaubten Regalen in Reformhäusern hin zu einem bunteren, lebensfroheren Bild des Veganismus in der Öffentlichkeit. So ist ein veganes Leben oft sehr einfach.


Auf der anderen Seite gibt es Familienessen, bei denen die vegane Option Kraut mit Speck ist, garniert mit Onkel Edi's beleidigenden Witzen. Es gibt Restaurants, die nicht mal ein vernünftiges vegetarisches Gericht anbieten, und die natürlich für das Essen mit der Arbeitsgruppe ausgesucht werden - nie fällt ein Veganer mehr auf, als wenn wir trockenen Salat und Pommes als Hauptgericht bestellen müssen. Es gibt Städte, in denen es zwar vegane Restaurants gibt, aber die oft so weit von den touristischen Vierteln entfernt sind, dass man zunächst eine Marathon-Distanz zurücklegen muss, um etwas Vernünftiges zu essen zu bekommen. Und da ist natürlich die etwas abhanden gekommene Spontanität, weil man natürlich nicht mehr in jeder x-beliebigen Döner-Bude einen Snack kaufen möchte. Dann ist ein veganes Leben oft schwierig.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Veganismus kompliziert ist, ist daher ein klares "Jein". Natürlich ist das keine besonders gute Antwort. Aber meiner Meinung nach ist die Frage auch nicht besser - denn anstatt zu fragen, ob ein veganes Leben schwierig ist, sollte man doch eher fragen, ob es das Richtige ist zu tun. 


Viele Dinge im Leben sind aufwändig und schwierig, aber wir machen sie trotzdem, weil sie richtig sind. Wir halten an einem Zebrastreifen, damit Fußgänger über die Straße gehen können, obwohl wir sonst schneller fahren könnten. Wir erklären unseren Kindern den Unterschied zwischen Richtig und Falsch, anstatt sie anderen Kindern mit der Sandschaufel auf den Kopf schlagen zu lassen. Wir lernen für Prüfungen, um das Studium oder die Ausbildung abzuschließen, obwohl wir sonst in der Sonne liegen könnten. Wir bieten der alten Frau im Bus einen Platz an, obwohl der Sitz am Fenster so gemütlich ist. Natürlich ist das alles aufwändig und schwierig und unbequem, aber kaum jemand stellt sie in Frage, denn es sind Dinge, die man tut, weil sie einfach richtig sind. Genauso sehe ich meine Art zu leben an - es ist nicht immer einfach, es gibt Aspekte, die mich nerven, und gelegentlich wünsche ich mir, die Welt wäre schon weiter, damit ich mich nicht so abmühen müsste. Aber die Dinge sind nun mal so wie sie sind, und ich tue das, was getan werden muss - wer je gesehen hat, wie Fleisch, Milch oder Eier produziert werden, der trägt wohl diesen Gedanken mit sich herum. Und ich sehe mich auch nicht als Märtyrerin, genauso wenig, wie ich mir nicht jeden Abend auf die Schulter klopfe, weil ich heute zur Arbeit gegangen bin, oder höflich war, oder mir die Zähne geputzt habe.

Natürlich ist Veganismus gelegentlich unbequem, egal, ob es schon wieder eine neue vegane Wurstsorte im Supermarkt gibt oder ob nun endlich ein veganes Restaurant in der Stadt aufgemacht hat. So lange, bis der Großteil der Menschen vegan lebt, wird es auch oft schwierig sein, anders zu handeln. Aber für mich ist es viel schwieriger, nicht vegan zu leben - denn wie so oft gibt es Themen in denen Moral, Ethik und das eigene Gewissen schwerer wiegen als Bequemlichkeit.


On some positions, cowardice asks the question, is it expedient? And then expedience comes along and asks the question, is it politic? Vanity asks the question, is it popular? Conscience asks the question, is it right? There comes a time when one must take the position that is neither safe nor politic nor popular, but he must do it because conscience tells him it is right.

Die Feigheit fragt - ist es sicher? Die Nützlichkeit fragt - ist politisch klug? Die Eitelkeit fragt - ist es populär? Aber das Gewissen fragt - ist es richtig? Und es wird die Zeit kommen, da man eine Stellung beziehen muss, die weder sicher, noch klug, noch populär ist. Aber man muss es dann tun, weil es richtig ist.

Martin Luther King

Senin, 03 September 2012

Sparsam vegan - 10 Tipps für günstiges veganes Essen

Ein häufiges Argument gegen Veganismus ist, dass eine vegane Ernährung sehr viel teurer wäre als eine Ernährung aus Tierprodukten. Ich vermute, dass die Leute zu diese Schluss kommen, wenn sie im Bio-Markt vor dem Regal mit der veganen Wurst stehen, und diese um ein Hochhaus teurer ist als die Wurst aus Schweinchen Babe (dass dieser Preisunterschied auch dadurch zustande kommt, dass nicht-vegane Produkte oft massiv subventioniert werden und sie daher nicht den reellen Preis widerspiegeln, und dass ich gerne mein Geld in Firmen investiere, die vegane, tierfreundliche, klimafreundliche Produkte herstellen, diese Argumente werde ich mir hier nur fast verkneifen). 

Fakt ist: Eine vegane Ernährung ist nicht teurer, sie kann sogar günstiger sein als eine nicht-vegane. Fakt ist aber auch, dass wir VeganerInnen zum Hedonismus neigen, und uns gerne mit köstlichen veganen Produkten eindecken, die zwar hervorragend schmecken, aber nicht unbedingt notwendig sind - und das kann natürlich die  Geldbörse belasten. Darum: Heute besinnen wir uns darauf, wie man gut und günstig essen kann (und ich mich anhöre wie ein Kochbuch aus den 1950ern) -  10 Tipps für alle, die sparsam sein müssen oder wollen.


Listen für den Überblick
Schon Mama hat's gewusst: Einkaufslisten bringen es einfach - sie sparen uns Geld und wir lassen uns nicht hinreissen. Gleichzeitig sollte man auch schon beim Schreiben ein wenig den Kopf einschalten - was ist bereits da, woraus könnte man mit wenigen extra Zutaten noch eine leckere Mahlzeit kochen? Und bitte, geht nicht hungrig einkaufen, versprochen?

Ein bisschen Verstand
Manchmal helfen auch Listen nicht: Wir stehen im Bio-Supermarkt und wollen die fünfte Sorte Reis kaufen, oder ein Glas Feigensenf um sieben Euro, oder einen Multi-Pack an überteuerten Trockenfrüchten. Es könnte natürlich sein, dass ihr diese Dinge wirklich benötigt, aber trotzdem: Macht einen Schritt vom Regal zurück, stellt euch vor, dass ich euch tief in die Auge sehe und sagt mir, ob ihr dieses Produkt tatsächlich von eurem hart verdienten Geld kaufen möchtet. Manches wirkt dann tatsächlich weniger attraktiv.

Basics
Mahlzeiten, die aus Basics gekocht werden, sind günstiger: Hülsenfrüchte (aus der Dose oder getrocknet), Getreide und Getreideprodukte wie Nudeln, Reis, Couscous, Quinoa oder Hirse, Kartoffeln, Nüsse, Gemüse und Obst sind lecker, nahrhaft und günstig. Natürlich dürfen auch die gelegentlichen Vergnügungen wie vegane Trüffel-Schokolade oder veganer Käse nicht fehlen, aber wer sparsam leben möchte, der vertraut ganz auf die Klassiker.

Mach's dir selbst
Gekaufte Gewürzmischungen, Backmischungen, und Seitan aus dem Bio-Markt schmecken zwar gut, aber sie sind wesentlich teurer, als wenn ihr sie selber machen würdet. Schwierig ist das nicht - hier ist ein Rezept für selbstgemachten Seitan, hier eines für eine Tex-Mex-Gewürzmischung, und hier eine ganze Horde an veganen Kuchen, die euch am Sonntag erfreuen werden. Oft lassen sich größere Mengen sehr günstig herstellen und leicht aufbewahren oder einfrieren.


Planlos!?
Investiert am Wochenende einen kurzen Moment und schreibt euch auf, was es in der nächsten Woche zu essen geben soll. Ja, das klingt sehr hausmütterlich, hat aber nur Vorteile: Ihr kauft nicht zu viel ein, könnt Reste besser einplanen, und müsst nicht fünf Mal die Woche Nudeln mit Tomatensauce essen. Wenn euch das zuviel Aufwand ist, dann solltet ihr wenigstens am Vorabend wissen, was ihr am nächsten Tag essen möchtet.

Saisonal essen
Erdbeeren im Winter und Spargel im Herbst? Es gibt nichts, was es nicht gibt, aber das hat einen Preis. Saisonales Obst und Gemüse schmeckt nicht nur besser, sondern ist auch günstiger. Wenn ihr nicht wisst, was in Saison ist, schaut, ob es aus der Region kommt (ein heißer Tipp) oder ergoogelt euch einen Saisonkalender.

Think Big 
Warum nur eine Portion kochen, wenn man auch zwei oder drei machen kann? Das ist keine Anleitung zum Übergewicht, sondern ein simpler Tipp: Kocht einfach mehr, und esst den Rest am nächsten Tag oder friert ihn ein. So habt ihr ein schnelles Mittag- oder Abendessen, das nur auf euch wartet, ihr spart Energie und es bleiben weniger Reste von Zutaten übrig, wie es oft bei kleinen Portionen der Fall ist.

Bist du immer noch da!?
Ein Rezept verlangt nach einer halben Dose Kokosmilch, ein anderes nach einer halben Paprika. Reste sind nervig, vor allem, wenn sie dann doch in den Abfall wandern. Doch es gibt einfache Lösungen: Ihr könnt die Menge des Rezepts verdoppeln, und so die Zutaten verbrauchen, ihr könnt andere Zutaten kaufen und die Reste so verkochen, oder ihr plant am Ende der Woche ein paar Reste-Mahlzeiten ein: Eintöpfe, Nudelgerichte oder Smoothies (für Obst und Pflanzenmilch) sind leckere Tummelplätze für eure Überbleibsel.


K.I.S.S.
Muss jede Mahlzeit fünf Gänge haben und flambiert werden? Keep it simple, stupid. Oft sind die einfachsten Gerichte auch die besten, und sie sparen euch Zeit und vor allem Geld, weil nicht hunderte Zutaten notwendig sind. Herzhafte Eintöpfe, Nudel- und Getreidepfannen mit viel Gemüse, Ofen-Kartoffeln in allen Variationen, und große Salate sind günstig und machen satt. Manchmal vergessen wir, wie tröstend eine einfache Suppe sein kann.

Eat @ home
Restaurant-Besuche sind eine tolle Sache, in die man gerne Geld investiert. Aber oft sind es die kleinen Dinge, die wir auswärts kaufen, die unser Budget belasten: Das Tofu-Sandwich im Bio-Markt, der große Soja Macchiato, die fade Gemüseplatte in der Mensa - Dinge, die wir leicht selbst machen könnten, wenn wir nur etwas vorausplanen. Ich achte beispielsweise darauf, mir mein Mittagessen in die Arbeit mitzunehmen - natürlich könnte ich etwas kaufen, aber selbstgemacht schmeckt es besser und spart natürlich Geld. Restaurant-Besuche heben wir uns für spezielle Gelegenheiten auf, und für Essen, das wirklich etwas besonderes ist.


Was sind eure Tipps für sparsames veganes Essen?

Senin, 09 Juli 2012

Von der Schinkenliebhaberin zur Veganerin - Teil II


Ich dachte, ich wäre nun am Ziel angekommen - als glückliche Vegetarierin. Nur eines trübte die Idylle: Ich hatte genau auf den Websites, die mir zum vegetarischen Schritt verholfen hatten, auch erfahren, dass auch für Milch und Eier Tiere sterben müssen. Und dieser Gedanke geisterte in meinem Kopf herum, während ich Pasta unter Parmesan begrub und in Restaurants Omeletts bestellte. Doch ich probierte Soja-Puddings und Schokoladen-Sojamilch und klickte mich stundenlang durch all die Info, die das vegane Internet anbot.

Kurz nachdem ich zur Vegetarierin geworden war, verbrachten M und ich einige Monate in den USA. Und mit USA meine ich hier nicht den Big Apple oder die Golden City, sondern den gutbürgerlichen, christlichen, und wenig vegetarier-freundlichen mittleren Westen. Hier wurde jeder Gedanke an eine vegane Ernährung buchstäblich durch einer großen Portion Käse im Keim erstickt - der vegetarische Teil der Karte war schließlich gratiniert und mit Sour Cream getränkt.
Gleichzeitig war ich in unserer College-Kleinstadt auch das erste Mal in einem veganen Cafe, aß meinen ersten veganen Kuchen und stärkte meine vegetarische Überzeugung: Noch nie habe ich einen so großen Bogen um die Fleischabteilung gemacht wie beim Supermarkt-Riesen Wal-Mart. Auch M hatte in den USA seine ersten vegetarischen Abenteuer und lebte in dieser Zeit komplett vegetarisch. Und ich begann wieder, über eine veganes Ernährung nachzudenken.

Wieder zuhause angekommen, war die kulinarische Wiedersehensfreude jedoch groß, mein Teller war zwar vegetarisch, aber unveganer denn je - alle gute Absichten waren wieder einmal dahin.
Schließlich fasste ich mir ein Herz und kaufte mein erstes veganes Kochbuch - es war englischsprachig und voll mit den Rezepten, die ich in den USA kennen- und liebengelernt hatte. Langsam und vorsichtig kochte und backte ich mir durch das Buch - ich kann mich noch genau an meine ersten veganen Muffins erinnern. Und ich hatte irgendwo zwischen Spinach Lasagna und Banana Bread plötzlich die Erkenntnis, dass veganes Essen richtig gut schmeckt.

Doch dann fiel ich, wie so oft, wieder zurück in alte Muster: Käse, Milch, Kuchen und Kekse aus dem Supermarkt hielten wieder Einzug in meine Küche. Warum das immer passierte, das kann ich gar nicht so richtig sagen - ich vermute, ich hatte einfach Angst vor einer dauerhaften Veränderung. Und anstelle die Dinge langsam und Stück für Stück anzugehen, legte ich lieber die Hände in den Schoß und änderte dann überhaupt nichts. Stattdessen versuchte ich das, was ich gelernt und erfahren hatte, beiseite zu schieben. Natürlich hat das nicht funktioniert.

Am Ende einigte ich mich mit mir selbst auf einen Kompromiss: Ich kochte in meinen eigenen vier Wänden vegan, und aß bei Freunden und Familie vegetarisch - zähneknirschend. Nicht ihnen, sondern mir selbst gegenüber, denn ich fühlte mich mit dieser Lösung nicht wohl. Ich fühlte mich stattdessen zu inkonsequent, um meinen Lebensstil, so ich ihn wollte, durchzuziehen; ich hatte Angst vor Änderung; und ich wollte anderen gefallen und verstellte mich dafür. In solchen Situationen war ich angespannt, verärgert und unzufrieden, und ich war selbst schuld daran.
Während ich nicht genau weiß, warum ich bei meinen veganen Versuchen so oft gescheitert bin, so weiß ich doch, warum es schließlich geklappt hat: Ich machte einen absoluten Sinneswandel durch. Ich wurde mir klar darüber, was für mich richtig und wichtig war, und was ich bereit war, dafür zu ändern - und aufzugeben. Es ging nun nicht mehr darum, ob Tofu Dip genau so schmeckt wie Frischkäse, oder wie schokoladig Soja-Kakao schmeckt, oder ob mich jemand beim Abendessen schief ansehen würde. Es ging darum, mein Leben nach meinen eigenen Werten auszurichten - und zu diesen Werten passte eine Ernährung mit Fleisch, Milch oder Eiern einfach nicht mehr. Also gab ich sie auf. Zwei Jahre nachdem ich zur Vegetarierin geworden bin, machte ich schließlich den Schritt zum Veganismus. Ich habe nie wieder zurückgeblickt.

Heute lebe ich seit fast vier Jahren vegan, seit fast sechs Jahren vegetarisch; mein Freund M lebt vegetarisch und isst zuhause nur vegan; meine Eltern leben vegetarisch und großteils  vegan. Ich rühre, schneide, mixe, blanchiere und backe nun so viel, dass ich einen Blog mit den Rezepten füllen kann. Ich sehe die Veränderung um mich herum, und ich suche die Veränderung in jedem Detail. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht dankbar bin für die Art und Weise, wie ich mein Leben führen kann. Ich habe nichts aufgegeben, ich habe nur dazu gewonnen: Ich esse besser, ich fühle mich besser, und ich weiß, was für mich wichtig ist.

 Ein wunderbares, veganes Picknick

Lebst du vegan oder vegetarisch? Wie ist es dazu gekommen? Oder möchtest du gerne den Schritt machen? Dann könnten dich auch diese Artikel interessieren.

Senin, 02 Juli 2012

Von der Schinkenliebhaberin zur Veganerin - Teil I

Diese Woche wird Totally Veg! 3 Jahre alt. Zeit für einen kurzen Rückblick...

Habe ich euch je erzählt, wie ich eigentlich hierher gekommen bin? Wie ich zur kochenden, backenden, bloggenden Vollbutveganerin geworden bin?
Ich denke, meine Geschichte gibt vielen von euch Hoffnung - denjenigen, die gerade mit sich selbst ringen, und denen jeder Schritt hin zu einer veganen Ernährung schwer fällt, die aber trotzdem nicht aufgeben wollen. Ja, ich kenne das selbst. Und ich bin trotzdem zur leidenschaftlichen Veganerin geworden, auch wenn ich nicht immer besonders einsichtig und der Weg lang war. Angekommen bin ich trotzdem, aber fangen wir doch von vorne an.

Ich war immer eine begeisterte Fleischesserin. Natürlich haben meine Familie und ich in meinen Augen immer "wenig" Fleisch gegessen - immerhin gab es nie Steak daheim und fast nie Wiener Schnitzel. Aber dafür Hühnchen, und Schinken, und Wurst, und Leberwurst - gerne auch mehrmals täglich. Aber ich hatte natürlich den Eindruck, dass wir wenig Fleisch aßen.
Ich rühmte mich gerne, eine Allesfresserin zu sein - und ich habe auch fast nichts ausgelassen. Von Muscheln über Shripms zu Scampi über Krokodil zu Känguru zu Strauß zu Pferd hin zu Gänsestopfleber wanderte alles in meinen Magen. Zur gleichen Zeit hatte ich im Hinterkopf immer den Gedanken, dass etwas mit diesem System nicht in Ordnung war.

Ich war schon immer eine große Tierfreundin. Meine Mutter hatte im Urlaub ihre liebe Not, mich von allen streunenden Katzen und Hunden fern zu halten - schon als Kleinkind. Zu stark schlug mein Herz für alles, was da kreuchte und fleuchte, und so schleppte ich als Kind regelmäßig Frösche und Schnecken zuhause an, um sie am nächsten Tag aus Mitleid wieder in die Freiheit zu entlassen. Das Gefühl für Tiere hat mich nie verlassen, auch nicht in meinen fleischessenden Tagen.

Der erste bewusste Gedanke für eine vegetarische Ernährung kam mir, als ich mit meinem Vater im Auto saß, und im Radio über verendete Tiere in einem Tiertransport hörte. Ich erinnerte mich daran, dass ich eigentlich Vegetarierin sein sollte, und dachte im nächsten Augenblick an die Dinge, die ich aufgeben würde - Wurst, Aufstrich, Oma's Hühnerflügel - und der Moment war dahin. Ich schob die unangenehmen Gedanken weg, denn ein fleischloses Leben war für mich einfach nicht drin - ich erinnere mich tatsächlich, dass ich zu einer Freundin sagte: "Ohne Schinken könnte ich nicht leben." Gleichzeitig blutete mir das Herz, wenn ich Bilder aus Massentierhaltung sah. Es ist wohl eine Untertreibung, zu sagen, dass es hier einen Konflikt gab zwischen dem, was mein Herz mir sagte, und dem, was mein Kopf diktierte.

Was dann den Ausschlag gab zu einem Umschwung zu einer vegetarischen Lebensweise, das kann ich heute gar nicht mehr sagen. Ich schätze, es war der buchstäbliche Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte - eine Horrormeldung eines Tiertransports, ein Tier aus dem Schlachthaus auf der Flucht, eine neuerliche Statistik. Ich erinnere mich aber noch an den kalten Winterabend im Jahr 2007, als ich abends das Licht löschte und mir schwor, als Vegetarierin aufzuwachen. Und das tat ich dann auch. Meine letzte nicht-vegetarische Mahlzeit war eine Hühnersuppe meiner Großmutter, aus der ich das Fleisch trotzdem herausfischte. Seitdem habe ich kein Fleisch mehr angerührt und nie wieder zurückgeblickt.


Meine Umwelt reagierte verhalten auf meine neue Lebensweise. Meine Eltern waren besorgt, M war eher verärgert - ich wollte plötzlich alles ändern, und er hatte keine Ahung, warum (mittlerweile lebt er selbst vegetarisch). Mit der Zeit gewöhnte sich mein Umfeld an mein neues Ich, und aus gebackenem Hühnchen wurden gebackene Aubergine. Ich fühlte mich wohl mit meiner neuen Lebensweise - und gleichzeitig wusste ich, dass etwas auch mit Milch und Eiern überhaupt nicht in Ordnung war. Aber ich hatte wohl wenig dazugelernt, und wälzte und quälte ich mich damit herum, und versuchte, Wahrheit für Bequemlichkeit zur Seite zu schieben. Natürlich gelang das nicht - mehr dazu im zweiten Teil.

Minggu, 03 Juni 2012

Veganismus als Tischgespräch - die Hochzeit meiner besten Freundin

Eine meiner besten Freundinnen verlobte sich Ende des letzten Jahres, und nach dem lustigen Polter-Abend ging vergangenes Wochenende schließlich die Hochzeit über die Bühne. Nach einem E-Mail und einem kurzen Gespräch mit dem Küchenchef wurde ich auf die veganen Optionen am Buffet hingewiesen, die sich zwar auf Beilagen beschränkten, aber trotzdem gut schmeckten und vor allem die sehr notwendige Unterlage für alle Toasts auf das Brautpaar gaben. 

 Der Klassiker: Gemischter Salat (im Hintergrund ein Foto von mir und M!)

 Polenta-Strudel, Basmati-Reis und Gemüse

Das Highlight: Birnensorbet mit Fruchtsalat

Veganismus ist übrigens ein wunderbares Tisch-Gespräch. Ich hatte eine sehr interessante Diskussion mit meinen Tisch-Nachbar, der ein gänzliches anderes Bild von VeganerInnen hatte und ehrlich erstaunt war, dass wir viel normaler sind, als er das angenommen hatte. Wer meinen Blog regelmäßig liest, der weiß, dass ich als Veganerin immer super-freundlich, charmant und bemüht auftrete - zumindest ist das mein erklärtes Ziel. Natürlich könnte ich die Augen verdrehen, wenn jemand fragt, ob Veganismus nicht schwierig ist, oder auffällig seufzen, wenn sich jemand wundert, warum ich auf Eier verzichte, oder leise "Fleisch ist Mord" murmeln, wenn jemand wissen möchte, warum ich vegan lebe. Eigentlich wäre das ziemlich einfach - immerhin wären die Gespräche dadurch auch sehr kurz, und man wird endlich wieder in Ruhe gelassen. Aber so ist das eben im Leben - einfach ist nicht immer richtig, bequem ist nicht immer gut. 

Darum setze ich mein bestes Zahnpasta-Lächeln auf und beantworte jede Frage geduldig und respektvoll, auch wenn ich mittlerweile zum 347. Mal erklärt habe, dass man auch ohne Fleisch den Eiweiß-Bedarf decken kann. Ich tue das, weil es für den anderen vielleicht tatsächlich das erste Mal ist, dass Veganismus überhaupt in sein Bewusstsein kommt; sich der andere zum ersten Mal fragt, warum Kühe nicht für uns Milch geben; er sich zum ersten Mal wundert, wie eine vegane Ernährung aussehen könnte. Natürlich ist das anstrengend, natürlich ist es umständlich, und manchmal ist es auch so eigenartig, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Aber ich behalte immer eines im Hinterkopf: Ich spreche nicht für mich. Ich spreche für das positive Bild des Veganismus. Ich spreche für eine sich verändernde Einstellung zu einer pflanzlichen Ernährung Ich spreche für alle Lebewesen, die darauf angewiesen sind, dass jemand ruhig und ehrlich die Wahrheit erzählt. 

Und nein, ich rede mir nicht ein, dass jeder durch ein einzelnes Gespräch mit mir plötzlich vegan wird. Aber es geht um die Etappensiege. Es geht darum, einen Denkprozess anzustoßen. Darum, Veganismus ins Bewusstsein zu rufen.  Und es geht darum zu zeigen, dass VeganerInnen auch ganz normale Menschen sind, die auf Hochzeiten gehen, dort etwas zu essen finden und dabei auch noch ziemlich vergnügt sind.

 Die Eure links und die strahlende Braut rechts - alles Gute!

Senin, 28 Mei 2012

Wie man einen Vegan Bake Sale organisiert


Vegan Bake Sales sind momentan der Hit unter den veganen Veranstaltungen - wer möchte nicht haufenweise leckeren Kuchen für einen guten Zweck vernaschen? Die Idee kommt aus den USA (darum der englische Name) - es ist ein veganer Kuchenbasar, bei dem gespendete, vegane Backwaren für einen guten Zweck verkauft werden. Dadurch kommen die Menschen mit köstlichem veganen Essen in Berührung, werden über Veganismus aufgeklärt und das eingenommene Geld kommt einem guten Zweck zugute.


Letztes Wochenende war es bei uns in Salzburg soweit - die ursprüngliche Idee stammte von mir, aber gewachsen ist der Bake Sale durch die wunderbaren Menschen um mich herum, die ihn durch ihre Zeit, Energie, ihre Backkünste und ihren Spenden zu einem tollen, positiven Ereignis gemacht haben. Allen voran Silvia, mit der ich fast buchstäblich durch einen Wink des Universums in Kontakt gekommen bin - sie hat so viel Energie und Herzblut in den Bake Sale gesteckt, und wurde nicht nur zur zuverlässigen Partnerin bei diesem Projekt, sondern auch zu einer lieben Bekannten.


Vegan Bake Sales sind eine wunderbare Form des Aktivismus, und sie bringen die vegane Community enger zusammen. Jeder kann einen veranstalten, und hier gebe ich ein paar Tipps, damit der Bake Sale sicher auch ein Erfolg ist.


  • Location, Location, Location. Nicht nur bei Immobilien, auch bei Bake Sales entscheidet der Ort über alles. Optimal sind alle Plätze, an denen viel Leute vorbei kommen (hier kann man Infostände anmelden), Club-Häuser, Veranstaltungszentren, vielleicht auch vegan-freundliche Restaurants, Geschäfte oder Cafes, die  kostenlos Fläche zur Verfügung stellen. Gibt es in der Nachbarschaft ein Straßenfest? Gerade bei Festen mit ökologischen, klimafreundlichen Schwerpunkten kann ein Vegan Bake Sale gut ankommen (so kam auch der Vegan Bake Sale Salzburg zustande!).
  • Niemand ist eine Insel. Die Idee zu einem Bake Sale stammt vielleicht von einer einzigen Person, aber man braucht tapfere MitstreiterInnen, die organisieren, backen und verkaufen. Geht zu veganen und vegetarischen Veranstaltungen und macht Werbung. Bittet vegane, vegetarische oder Tierschutz-Newsletter aus der Gegend, den Bake Sale zu bewerben. Gründet ein Event auf Facebook und teilt es mit FreundInnen, und bewerbt es besonders ein paar Tage vorher fleissig. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein paar Flyer zu drucken, legt sie in Reformhäusern oder Bio-Märkten oder in benachbarten Supermärkten aus. Bittet vegane oder vegetarische Organisationen für euren Bake Sale zu werben.
  • Accessoires. Was ihr unbedingt brauchen werdet: Teller, Besteck, Servietten, Tortenheber, Messer in mehreren Ausführungen, Küchenrolle oder Geschirrtücher zum Abwischen der Utensilien, Müllsäcke, und: Handschuhe. Wer will schon meine dreckigen Pfoten an seinem leckeren Muffin haben? Wenn der Bake Sale draussen stattfindet, braucht ihr ein Zelt - ja, wirklich, auch wenn das Wetter schön ist. Schon mal einen Schokoladenkuchen mit Glasur gesehen, der zwei Stunden in der prallen Sonne gestanden ist? Eben.
  • Man hat nie zu viele Accessoires. Ein Bake Sale besteht nicht nur aus Süßem - es braucht auch einen Rahmen. Wenn euer Bake Sale draussen stattfindet, braucht ihr natürlich Tische, ein Zelt und vielleicht auch Bänke. Ihr könnt die Backwaren natürlich so präsentieren, wie ihr wollt, aber hübsch und professionell lockt besonders viele Leute an: Hübsche Tischdecken, Tortenplatten, Tortenspitzen, Kuchenständer, eine Etagere für Cupcakes und Muffins sorgen für das perfekte Konditorei-Feeling. Beschriftete Schilder verraten, was die Leckereien sind und eventuell auch, was drinnen steckt. Dekoration wie Blumen, Windränder, bunte Girlanden schaden nie, und natürlich Schilder, die erklären, was ihr eigentlich tut: Vegane Kuchen für den guten Zweck verkaufen - und ein Spendenglas mit einer netten Aufschrift neben dem Schild öffnet Brietaschen.
  • Wollen Sie es zum Mitnehmen? Viele Leute werden von eurem leckeren Angebot angelockt werden, aber können nicht fünf Cupcakes auf einmal essen. Haltet viel Material zum Einpacken bereit, damit die Leckereien mitgenommen werden können - so geben die Leute viel mehr Geld bei euch aus. Wir hatten kleine Schachteln (ursprünglich für Kekse), die wir mit Alufolie umwickelten, und Butterbrot-Tüten für Cookie und Muffins ohne Creme. Wenn ihr Zeit habt, könnt ihr Brownies oder Kekse gleich fertig verpackt verkaufen oder Kuchen im Glas anbieten.
  • Kaffee & Kuchen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, Kaffee mit Pflanzenmilch anzubieten, macht das unbedingt - vielleicht hat jemand eine Filterkaffeemaschine oder, noch besser, eine Pad- oder Kapsel-Maschine (weil die weniger Aufwand ist), die ausgeborgt werden kann. Gerade wenn Sitzgelegenheiten vorhanden sind, gibt es nichts Besseres als veganen Kuchen mit gutem Kaffee.
  • Was soll ich backen? Backt eure besten veganen Rezepte - keine Experimente! Alles mit Schokolade ist meistens ein Hit, aber auch saisonale Leckereien wie saftige Obstkuchen kommen gut an. Cupcakes, Muffins und große Cookies sind bei uns oft noch exotisch und werden daher auch gerne gekauft. Unsere Erfahrung war, dass süße Sachen wesentlich lieber gekauft werden als pikantes Backwerk.
  • Mehr als nur Süßes. Bei einem Vegan Bake Sale geht es auch darum, die Leute über Veganismus zu informieren. Drückt den Leuten bei jedem Einkauf eine Information in die Hand, einen veganer Flyer oder eine Broschüre. Fragt bei großen veganen oder vegetarischen Organisationen an, ob sie nicht Infomaterial zur Verfügung stellen möchten - ihr könnt ja einen Teil der Einnahmen dieser Organisation spenden.

Ich (links) und Silvia glücklich vor dem großen Ansturm!

Habt ihr schon einmal einen Vegan Bake Sale organisiert und möchtet eure Tipps weitergeben? Wart ihr schon einmal auf einem Bake Sale? Habe ich euch inspiriert, einen Vegan Bake Sale zu organisieren? Verratet es mir doch in den Kommentaren!

Minggu, 13 Mei 2012

Vegane Gedanken zum Muttertag

Muttertag. Ein Anlass, um unsere Mütter hochleben zu lassen. Mit lieben Worten, Umarmungen, Blumensträußen. Während wir unseren Müttern danken, sie herzen und ihnen Gedichte aufsagen, verschwenden wir ungern einen Gedanken daran, dass für die Pralinen ein Kind von seiner Mutter getrennt wurde, damit wir die Milch benutzen können. Oder dass hinter dem liebevoll zubereiteten Frühstücksei eine Produktion steht, das junge, flaumige Küken als Abfall betrachet. Oder dass im schicken Restaurant Mütter auf unseren Tellern liegen. Während unseren Müttern ein Ehrentag eingeräumt wird, stützt sich unbeachtet ein ganzes System auf die Ausnutzung anderer Mütter.

Es sind die Kuhmütter, die ihre Kälbchen gleich am ersten Tag aufgeben müssen, damit wir die Milch trinken können, die eigentlich für ihre Jungen gedacht ist. Das Kälbchen sehen sie nie wieder; ist es weiblich, wird es eines Tages auch zur Milchkuh gemacht und muss wie seine Mutter auch Kind um Kind um Kind verschwinden sehen; ist es männlich, wird es gleich geschlachtet, um als Kalbfleisch das Muttertagsmenü zu veredeln. Am Ende ihrer Produktivität wird die Kuh selbst geschlachtet.
Es sind die Hühnermütter, deren männliche Küken gleich nach dem Schlüpfen in den Tod geschickt werden – dieser Nachwuchs legt keine Eier, und hat daher für die Ei-Industrie keine Bedeutung. Kann eine Henne keine Eier mehr legen, wird sie selbst geschlachtet.
Es sind die Schweinemütter, deren einzige Aufgabe darin besteht, rosige Ferkel in die Welt zu setzen, pardon, Fleischeinheiten oder Schnitzel, die noch als Kinder sterben werden. Wenn eine Sau keine Ferkel mehr wirft, wird sie selbst geschlachtet.

Mütter sind zentral für die Tierproduktion, weil sie Milch geben, Eier legen, neues Leben erschaffen. Dann werden diese Eigenschaften auf den Kopf gestellt: Die Milch ist nun nicht mehr für den Nachwuchs. Das neue Leben wird zum schnellen Sterben verurteilt.

Gleichzeitig gelten viele Verhaltensweisen von Tieren als Symbole für Mutterliebe: Eine gluckenhafte Mutter lässt den Nachwuchs nicht aus den Augen, so wie es eine Henne mit ihren Küken tut. Nimmt man jemanden unter seine Fittiche, erinnert dieser Ausspruch an die Verhaltensweise der Vögelmütter. Kämpft jemand wie eine Löwin, wird mit Ehrfurcht daran gedacht, wie eine Mutter ihr Kind verteidigt.

Tiere, so hört man es gelegentlich, hätten ein anderes Konzept von Mütterlichkeit und Familie, es sei mit unserem rein gar nicht zu vergleichen. Es ist reiner Instinkt, fast reflexartig, und jede andere Interpretation ist übertriebene Sentimentalität und Gefühlsduselei und ohnehin nur für Weicheier. Viele Veganerinnen und Veganer entscheiden sich aber bewusst für diese Gefühlsduselei. Ich bin lieber gefühlsduselig, als Kinder von Müttern wegzusperren. Ich bin lieber sentimental, als Mütter als Produktionseinheiten zu betrachten. Ich gelte lieber als Weichei, als die Augen vor der Realität zu verschließen: Nur, weil ich andere Familien oder Mütter vielleicht nicht verstehe, gibt es mir nicht das Recht, sie zu essen.


Einen frohen Muttertag wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

Minggu, 19 Februari 2012

SPAR Veggie - was es bedeutet und wie es schmeckt

Es tut sich etwas... langsam, aber doch. Als ich vor drei Jahren vegan wurde, hatte zwar Sojamilch schon Einzug in die Supermarkt-Regale gehalten, und gelegentlich stolperte man über einen veganen Aufstrich oder eine andere Kuriosität, aber das war es dann auch schon wieder. Plötzlich jedoch quillt in den Supermärkten an jeder Ecke ein veganes Produkt hervor. Vor kurzem erst hat die große österreichische Supermarkt-Kette SPAR ihre neue Linie "Veggie" vorgestellt - über 40 vegetarische und vegane Produkte, in modernen Verpackungen und für alle Lebenslagen: Von Süßigkeiten über Fertiggerichte bis hin zu Grundlagen des veganen Lebens (Mayonnaise!) ist alles dabei. Alles ist wunderbar übersichtlich ausgezeichnet, "vegan" oder "vegetarisch" wird nicht mehr schüchtern auf der Rückseite in mikroskopisch kleiner Schrift angeführt, sondern stolz vorne als Logo präsentiert. Außerdem haben diese Produkte plötzlich den Schritt aus der Frischkornbrei- und Diabetiker-Ecke geschafft und dürfen nun bei den regulären Fertiggerichten und Produkten Platz nehmen. Und während mir klar ist, dass SPAR dies alles natürlich aus finanziellen Interesse tut, singt mein Herz jedes Mal, wenn ich die Produkte sehe: Denn wenn eine große Supermarkt-Kette der Überzeugung ist, dass sich mit Veggie-Essen Geld verdienen lässt, dann werden wir immer mehr. Wir - die VegetarierInnen, VeganerInnen, solche, die es gerne wären, und diejenigen, die es einfach gut finden. Dann ist die kritische Masse derer, die sich nicht mehr mit Billig-Fleisch und Käfigeiern in Keksen abspeisen lässt, bald erreicht. Und das bietet so viele Chancen, dass mir die Knie weich werden: Mehr tierfreundliche Produkte, mehr Zugänglichkeit des Veganismus - endlich raus aus der Nische und rein in die Köpfe. Ja, ich mag idealistisch sein, aber wie sagt man so schön? Dream big.

Auch wenn SPAR leider nicht mich als Werbe-Testimonial für die Veggie-Linie engagiert hat*, ich darf trotzdem ein wenig schwärmen. Denn wenn mich nun jemand fragt, wo ich den eigentlich veganen Gyros kaufe, oder cremige Feinkost-Salate, oder veganen Aufschnitt, oder wo zum Teufel man denn eigentlich vegane Mayonnaise herbekommt, dann kann ich einfach auf den Supermarkt um die Ecke verweisen (wörtlich genommen!). Das bedeutet nicht, dass ich Bio-Märkte, Reformhäuser oder vegane Onlineshops nicht ganz toll finde, aber seien wir mal ehrlich: Die meisten Leute kaufen im Supermarkt ein. Und wenn man dort ganz easy vegane Produkte kaufen kann, wird ein veganes Leben (oder zumindest eine vegane Mahlzeit) plötzlich viel leichter, nachvollziehbarer und vielleicht sogar reizvoller.


Ja, ich komme zu Ende. Ihr findet mein Geschwafel darüber, wie ich im nächstgelegenen SPAR-Markt ein wenig Tränchen drücke und von einer veganen Welt träume, sicherlich total rührend, aber mal ehrlich: Es interessiert euch doch nur, wie denn das Zeug eigentlich schmeckt, nicht wahr? Während ich noch nicht alles durchprobiert habe, haben einige Produkte schon den Weg in meinen Kühlschrank und in meinen Bauch gefunden. Allen voran der vegane Gyros, der ist genauso, wie man ihn kennt: Würzig, gute Konsistenz, macht sich gut neben etwas veganer Joghurt-Sauce und kann ohne Probleme weiterempfohlen werden. Auch der Aufschnitt ist gut, in etwas dickeren Scheiben geschnitten, und eignet er sich für ein herzhaftes Wurstbrot oder vielleicht auch als pikante Essig-Wurst. Einfach fabelhaft sind die Bratstreifen, die wir auf unserem Kontaktgrill zubereiten, und die eine ideale Füllung für Sandwiches oder Wraps darstellen, aber auch in Reisgerichten oder cremigen Saucen eine gute Figur machen würden. Wer diesen Artikel aufmerksam gelesen hat, ahnt vielleicht schon, wovon ich restlos begeistert bin: Ja, es ist die vegane Mayo. Cremig, würzig und einfach so, wie man sie kennt, ist dieser weiße Traum eine Offenbarung - nun steht dem leckeren veganen Kartoffel- oder Nudelsalat nichts mehr im Weg. Und auch zu Pommes schmeckt sie ausgezeichnet. Die vegane Revolution bringt uns offensichtlich ganz fabelhafte Mayonnaise, und ich habe nichts dagegen.

Welche Produkte habt ihr schon probiert?

*Hallo? SPAR-Marketing, seid ihr da? Ich würde zur Verfügung stehen, und mache euch auch einen besseren Preis als Gwyneth! Und ich würde euch sogar einen Kuchen backen... nein?

Minggu, 07 Agustus 2011

Yoga: It Turned My Whole World Around And I Kinda Like It

Ich backe nicht nur Kuchen. Gelegentlich bewege ich mich auch etwas, sonst würde ich vermutlich nicht mehr durch meine Wohnungstür passen. Neben Spaziergängen (zum Bio-Markt natürlich) und anderen Alltagsbewegungen habe ich meine Liebe zu Yoga entdeckt. Bitte nicht gleich mit den Augen rollen! Ich weiß, Yoga erlebt in den letzten Jahren einen nicht zu ignorierenden Trend. Yoga-Stunden hier, Yoga-Kleidung dort - jedes Fitness-Studio, das etwas auf sich hält, bietet mittlerweile auch Yoga-Kurse an. Oberflächlich betrachtet wirkt Yoga wie etwas esoterische Gymnastik. In Wahrheit geht Yoga viel tiefer. So tief, dass es auch Platz auf diesem veganen Blog hat!

Quelle Foto

Vor einigen Jahren habe ich mit Yoga begonnen, ungefähr zu der Zeit, als ich auch vegan wurde (was ich übrigens mittlerweile für keinen Zufall mehr halte).  Ich war extrem unbeweglich und hatte zudem noch chronische Rückenschmerzen, hatte also nicht sehr viel zu verlieren. Von Anfang an hatten die Asanas, die Yoga-Übungen, etwas an sich, was mir gefiel -  auch wenn ich nicht in der Lage war, bei gestreckten Beinen mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. Oder in die Nähe des Bodens zu kommen. Beim Yoga Flow, einer fließenderen und herausfordernden Art des Yogas, fiel ich einmal vor Anstrengung fast in Ohnmacht - kein Witz. Trotzdem machte es Spaß. Heute kann ich durch regelmäßiges Yoga mittlerweile Übungen mitmachen, die früher einfach unmöglich gewesen wären. Auch die Rückenschmerzen sind weg, weil mein Rücken mittlerweile kräftig genug ist, um meine etwas schiefe Wirbelsäule auszugleichen. Und letzten Sommer habe ich entdeckt, dass ich tatsächlich Muskeln am Arm habe. Das mag für manche von euch lächerlich erscheinen, illustriert aber nur, wie viel ich als ehemals "unsportlicher Couch-Potato" von Yoga profitiert habe (sprich: es gibt Hoffnung für alle!). Hier auch ein kleiner Seitenhieb an alle Männer, die denken, beim Yoga würde man nur rumsitzen und Mantren singen: Yoga kann so gemütlich oder herausfordernd sein wie ihr wollt. Und ja, man braucht für viele Asanas auch ganz schön Kraft.
Neben den physischen Auswirkungen bin ich ruhiger geworden, gelassener, und habe mehr Selbstvertrauen: Wenn ich nun endlich, endlich, nach langen Mühen, das Rad  halten kann; ich meine Sichtweise im Kopfstand umdrehe; zweieinhalb Stunden Yoga-Workshop überlebe; auf meinen Händen über dem Boden schweben kann - dann gelingt mir alles andere auch irgendwie.
Yoga hat auch viel mehr mit dem Leben zu tun, als man annehmen würde. Wenn ich bei einer Asana meine Hüfte drehe oder mein Knie beuge, weil es dann einfacher wird, dann sieht mich meine Yoga-Lehrerin an und sagt: "Weich dir nicht selber aus." Dann weiß ich, dass es im Yoga um mehr geht, als sich mit der großen Zehen am Ohr zu kratzen - es geht um die Reise zu sich selber, und damit zwangsläufig zu allen anderen.

Ihr wisst vielleicht, dass viele Yogis und Yoginis vegetarisch oder vegan leben - aber warum eigentlich? Weil man schön dünn bleibt, weil man sich ohne dicken Bauch besser zur Brezel verknoten kann, oder weil Kühe in Indien heilig sind? Ich versuche hier für euch etwas über die Verbindung zwischen Yoga und Vegetarismus zu schreiben - natürlich gibt es verschiedene Auslegungen, aber ich schreibe hier nur darüber, wie dieser Aspekt mir dargelegt wurde. Im Yogasutra (den uralten Schriften des Yoga) wird Yoga als achtgliedriger Weg dargestellt. Einer davon ist Yama, was soviel wie "Enthaltung" oder "Selbstkontrolle" bedeutet; es umfasst fünf Verhaltensregeln, wie man sich anderen Lebewesen gegenüber verhalten sollte. Dazu gehören Ahimsa (Freundlichkeit und Gewaltlosigkeit anderen gegenüber), Satya (Wahrheit sprechen), Asteya (nicht stehlen), Brahmacharya (sexuell enthaltsam sein bzw. andere nicht sexuell ausnutzen), und Aparigraha (nicht gierig sein). Überlegen wir nun einen kurzen Moment, wie unsere Welt, in der Tiere nur Produkte und Wirtschaftsfaktoren sind, mit diesen Grundsätzen zusammenpasst. Wir üben Gewalt an Tieren aus durch Schlachtung oder einfach nur die jeder Beschreibung spottenden Tierhaltung. Wir lügen uns in die eigene Tasche darüber, wo Fleisch herkommt, oder werden mit bunten, lustigen Bildchen auf Tierprodukten  über ihren Ursprung in die Irre geführt. Wir stehlen anderen Lebewesen ihre Kinder, ihre Milch, ihre Eier, ihr Fell, ihre Haut und ihr Leben. Wir erregen männliche Tiere, im ihren Samen zu bekommen, um damit die weiblichen Tiere künstlich zu befruchten, damit wir ihre Kinder essen können. In unserer Gier nach Fleisch zerstören wir die Ozeane, den Regenwald, andere Kulturen und letztendlich uns selbst. Noch Fragen? Fleischessen und Yoga passen eher schwer zusammen, auch, weil das letzte Ziel von Yoga die Erleuchtung ist - die Verschmelzung von einem selbst mit allem anderen, was ist. Wenn man sich selbst als eins mit allem sieht, wie kann man dann andere Lebewesen ausnutzen, um von ihnen zu essen?

Wenn ihr Lust habt, geht doch mal in eine Yoga-Stunde, es wird sich lohnen. Es ist auch eine gute Gelegenheit, gleichgesinnte VegetarierInnen oder VeganerInnen zu finden (ich lernte in meinem Yogahaus auch gleich vegan-ayurvedisch zu kochen). Allerdings wird nicht in allen Yoga-Varianten die Notwendigkeit einer vegetarischen oder veganen Ernährung gleich stark betont. Besonders hervorgehoben wird eine mitfühlende Lebensweise aber im Jivamukti Yoga - Veganismus wird  hier großgeschrieben (Zentren gibt es in Berlin und München, und es gibt auch viele LehrerInnen, die abseits von den Zentren Jivamukti unterrichten, eine Google Suche lohnt sich hier also). Sharon Gannon, die Jivamukti Yoga mit David Life gegründet hat, hat ein wunderbares Buch geschrieben, "Yoga and Vegetarianism", aus dem auch viele Infos dieses Posts stammen, und das auch für nicht Yoga-Praktizierende absolut empfehlenswert ist. Jivamukti Yoga ist einfach fabelhaft, ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen!

Und für alle von euch, die denken, ihr wärt zu unbeweglich, zu steif, zu schwach für Yoga - denkt an eure liebe C von Totally Veg! Wenn ich Fortschritte gemacht habe, dann könnt ihr das auch - versprochen!

Namasté!

Minggu, 19 Juni 2011

Vegan im Restaurant

Wenn ich vor jemandem meine nicht ganz so geheime vegane Identität enthüllle, kommt schließlich immer die unausweichliche Frage: "Aber in Restaurants gehst du nicht oft, oder? Du kochst wohl immer selbst?"
Au contraire, liebe unvegane Freunde und Freundinnen. Diese Veganerin lässt sogar gerne für sich kochen, und ich genieße das auch genauso wie alle anderen. Und nein, ich gehe nicht nur in vegetarische oder vegane Restaurants, denn ich wohne in keiner Großstadt. Da bei vielen von euch das vegane Angebot vermutlich ähnlich dünn gesät ist, aber Essengehen einfach zu den schönen Dingen des Lebens gehört, hier mal ein paar Tipps, wie man auch als VeganerIn einen netten Abend im Restaurant verleben kann - und das ist gar nicht schwierig!

Prinzipiell gehe ich lieber in Restaurants, die keine typisch österreichische oder deutsche Küche servieren (außer wenn ich muss - scrollt mal nach unten, da findet ihr meine Tipps!). Meine Wahl fällt eher auf internationale Restaurants, denn dort gibt es oft schon vegane oder leicht veganisierbare Gerichte - hier einige Beispiele, die ich persönlich ausprobiert habe und auch regelmäßig bestelle. Aber auch andere Länder bieten vegane Spezialitäten, wie z.B. in arabischen, äthiopischen oder koreanischen Restaurants!

Italienisch: Jedes gute italienische Restaurant macht seinen Pizzateig aus Mehl, Hefe, Wasser und etwas Öl. Eine Pizza ohne Käse, aber mit viel Gemüse ist daher ein ganz wunderbares veganes Gericht und wird überall gerne zubereitet. Ich höre immer wieder Geschichten von Italienern, die angeblich Ei im Pizzateig haben, ich denke aber, dass das wirklich die Ausnahme ist. Ihr könnt ja fragen, aber ich warne euch: Ich habe meinen Kellner einmal zutiefst gekränkt, als ich ihn gefragt habe, ob Ei im Pizzateig ist - Italiener nehmen ihre Küche ernst!  Weitere Optionen in italienischen Restaurants sind Bruschetta (ohne Käse), Antipasti, oder auch Pasta mit Tomatensauce oder Olivenöl und Knoblauch - frischgemachte Nudeln sind meistens mit Ei, aber oft haben Restaurants auch getrocknete Nudeln, die klassisch italienisch ohne Ei zubereitet sind. Fragen lohnt sich! 

 Indisch: Die indische Küche ist prinzipiell sehr vegan-freundlich. Chana Masala (Kichererbsen in Curry-Tomatensauce), knackiges Gemüse mit vielen Gewürzen oder die verschiedenen Reisgerichte lassen das vegane Herz höher schlagen. Oft wird mit Joghurt oder Milch gekocht, was aber meistens auf der Karte vermerkt und daher leicht erkennbar ist, oder ihr fragt nach. In indischen Restaurants wird gerne mit Ghee (geklärte Butter) gekocht, das nicht vegan ist, aber welches man leicht weggelassen kann - auch hier lohnt sich das Nachfragen. Und dazu vielleicht ein knuspriges Fladenbrot - Naan wird traditionell mit Joghurt zubereitet, Chapati aber ist meistens vegan, wenn man es ohne Butter obendrauf bestellt. Yummy!

  

Chinesisch: In chinesischen Restaurants gibt es meistens einige Gemüsegerichte, auch mit Tofu, die schon vegan sind, z.B. "Fastenspeise der Buddhisten", Gemüse mit Tofu oder gebratene Sojabohnensprossen. Manchmal findet man in Gemüsegerichten gebratenes Ei, auch hier sollte man sich kurz erkundigen. 


Japanisch: Wer liebt nicht veganes Sushi? Sushi mit Avocado, Gurke oder Rettich ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Als Hauptgang bieten sich Gemüsegerichte mit Tofu an, auch Udon-Nudeln sind meistens vegan. 

 

Thailändisch: Mit einer Vielzahl an Curries mit cremiger Kokosnussmilch ist die thailändische Küche auch ein Paradies für VeganerInnen. Man sollte das Curry nur ohne Fischsauce bestellen, was aber meistens kein Problem ist, da oft ganz frisch gekocht wird!

 

Bio-, Vollwert-, Vital-Restaurants: Ok, das ist jetzt keine Küche eines bestimmten Landes. Aber oft wird man auch fündig in Restaurants, die gesunde Kost anbieten und zwar nicht vegetarisch sind, aber doch viele fleischlose Spezialitäten anbieten. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Karte oder ein Gespräch mit dem Kellner. Eines meiner liebsten Restaurants bietet mehrere vegane Gerichte an und es wird auch oft extra für uns gekocht!


Manchmal kann man sich das Restaurant nicht aussuchen (Familienfeiern, Geschäftsessen, eine Geburtstagsfeier...), und die Karte ist oft denkbar unvegan. Das heißt aber überhaupt nicht, dass es für uns hier nichts gibt. Fragt einfach nach einem veganen Gericht! Ich würde aber nicht einfach nur "veganem Essen" fragen, sondern auch erklären, was "vegan" denn bedeutet, da viele mit dem Begriff nicht so viel anfangen können, und es leicht zu Missverständnissen kommt. Ich sage meistens etwas wie "Ich lebe vegan, ich esse keine tierischen Produkte, also kein Fleisch, keinen Fisch, keine Milch oder Milchprodukte, keine Eier." Schaut euch vorher die Karte kurz an - gibt es etwas, das leicht veganisiert werden können? Macht den KellnerInnen Vorschläge, die sind oft dankbar dafür. Beispielsweise kann eine Gemüsepfanne mit Olivenöl statt mit Butter gemacht werden, oder ein Ofenkartoffel mit viel Gemüse und eventuell Tomatensauce serviert werden anstatt mit Sauerrahm. Denkt immer daran, ihr seid die Gäste, ihr bezahlt für das Essen - das Restaurant soll euren Wünschen nachkommen, nicht umgekehrt! Ein freundliches Auftreten versteht sich natürlich von selbst, und auch viel Lob, wenn das vegane Essen gut war - ein nettes Trinkgeld schadet auch nie :-)
Eines noch: Ihr bekommt in jedem Restaurant etwas Veganes zu essen. Wirklich, in jedem. Es mag nicht immer Haute Cuisine sein, aber ihr werdet nicht verhungern. Oft seid ihr sogar positiv überrascht. Ich erinnere mich an einen Abend, als ich mit ArbeitskollegInnen in ein sehr feines französisches Restaurant gegangen bin. Die Karte war sehr übersichtlich, und es war kein einziges vegetarisches (!) Gericht darauf. Ich sprach darauf den Kellner an und erklärte ihm, dass ich vegan lebe (und was das bedeutet!). Gemeinsam gingen wir die Karte durch, und ich bekam schließlich einen wunderbaren Salat, Ofengemüse und knusprige Kartoffeln. Es war ein fabelhaftes Essen!

Keine Angst also vor Restaurantbesuchen als VeganerIn, es ist viel leichter als man denkt! Lehnt euch zurück, bestellt ein kühles Getränk und freut euch, dass eure Küche heute mal kalt bleibt.